Fotografien von Friedrich Hülsmann
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Pause bei der Obsternte. Die Arbeit ist getan, Kirschen und Zwetschen sind in Körben und Kisten verstaut, gleich wird ein Lastkahn die süßen Köstlichkeiten abholen. Drei Bäuerinnen aus dem Alten Land nutzen die Wartezeit für einen Moment der Erholung. Eine von ihnen hält mit verschränkten Armen nach dem Boot Ausschau, eine weitere hat sich neben einer Treppe im Gras niedergelassen, eine dritte lehnt am Stamm eines Baumes. Da die Frauen im Halbprofil bzw. von hinten fotografiert sind, erinnert die Anordnung der Figuren an Kompositionen von C.D. Friedrich, der Menschen bevorzugt in Rückenansicht dargestellt hat. Die sommerliche Stimmung ist behaglich – ein stilles Glück im Augenblick. Und bald gibt es Obstkuchen!

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
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Variante zum Negativ Nr. 3331: die Wohnungsecke mit Standuhr, Konsole und Sekretär ist nun aus größerem Abstand fotografiert. Die Tulpen auf dem Tisch lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese Aufnahme im Frühling entstand.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
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Zwei Schwestern an Bord eines Schiffes. Hülsmann fotografiert die beiden etwa 5 und 8 Jahre alten, gleichgekleideten Mädchen aus leichter Untersicht, vielleicht ist er zum Fotografieren in die Knie gegangen. Das Sonnenlicht zeichnet lebhafte Schatten auf dem Gesicht der jüngeren, die sich mit staunend geöffnetem Mund nach links abwendet, während die Ältere mit eher bekümmertem Ausdruck direkt in die Kamera blickt. Wurde sie gerade am Ohr gepiekt, das sie mit zwei Fingern der linken Hand hält, oder bereitet ihr die Abreise Kummer? Das feine psychologisierende Porträt ist ein weiteres Beispiel für das große Einfühlungsvermögen von Friedrich Hülsmann als Kinderfotograf.

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
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Junge Frau auf hoher See. Ca. 1934 fotografiert Friedrich Hülsmann aus extremer Untersicht diese bisher nicht identifizierte junge Frau mit fülligen Lippen und buschigen Augenbrauen, die – von der Sonne leicht geblendet – in die Ferne schaut. Das Sommerlicht konturiert weich ihre Gesichtszüge. Neben ihr weht die schwarz-weiß-rote Fahne, die von 1871 bis 1919 Nationalflagge des kaiserlichen Deutschen Reichs war und während der Weimarer Republik als Handelsflagge im Einsatz war. Von 1933 bis 1935 diente sie zwischenzeitlich auch als Trikolore des nationalsozialistichen "Dritten Reichs", bis die Hakenkreuzfahne verbindlich wurde.

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
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Schöne Bescherung

Auf einem Teppich haben Hülsmanns ihre Weihnachtsgaben liebevoll und sorgfältig wie in einem Schaufenster ausgebreitet und mit etlichen Kerzen und Tannenzweigen garniert. Im Vordergrund ist eine Radierung (oder deren Reproduktion) zu erkennen, die Maria mit dem Christkind im Wald zeigt, vielleicht eine „Ruhe auf der Flucht“. Weiterhin sind ein Buch und eine Kette zu erkennen, die bereits aus ihrer Schachtel entnommen wurde. In der Mitte prangt auf einem flachen Metallteller ein Kuchen mit vier Kerzen – ein essbarer Adventskranz? Am hinteren Rand des Teppichs sind vier unterschiedliche Kerzenleuchter aus Silber aufgestellt, wie sie später einen Sammlungsschwerpunkt der Hülsmanns darstellten, dazwischen zwei Schallplatten der Marke Electrola mit weihnachtlicher Hülle sowie eine große Vase mit Tannenzweigen und Weihnachtsschmuck. Auf der Fensterbank Kerzen und Kunstpostkarten; außer religiösen Motiven (z.B. Renaissance-Reliefs mit Engelsdarstellungen) sehen wir weltliche Portraits aus der Zeit um 1500.

Das Ensemble bildet eine interessante Alternative zum typisch deutschen Weihnachtsbaum mit Päckchenpyramide.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
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Fotografische Selbstbildnisse gibt es, seit das Medium in den 1830er Jahren erfunden wurde. Eines der ältesten überlieferten Beispiele realisierte 1839 der Klempner Robert Cornelius, der seinen Apparat ausprobieren wollte und sich, die lange Belichtungszeit ausnutzend, nach dem Öffnen des Objektivs rasch vor die Kamera setzte. Bereits ein Jahr später inszenierte sich Hippolyte Bayard als Ertrunkener und eröffnete damit einen nicht mehr abreißenden Strom von fotografischen Experimenten mit dem eigenen Erscheinungsbild. In der Theorie mag die Frage, ob heutige „Selfies“ auch Selbstporträts sind, noch untentschieden sein. Die Gebrauchsweisen der Fotografie jedenfalls, etwa sich über die Kamera Aufschluss über das eigene Antlitz zu verschaffen und in bildnerischen Versuchen die Persönlichkeit zu formen, existieren seit über 180 Jahren. Ob Hülsmann sich selbst für ein neues Passbild Modell saß oder ausprobieren wollte, welche Krawatte ihm besser steht – mehrere Aufnahmen entstanden offensichtlich kurz nacheinander – spielt keine Rolle; als Ausdrucks- und Belichtungsstudien dokumentieren sie das Interesse des Fotografen an den Möglichkeiten seines Apparats und an der Entwicklung seiner Identität. 

F.K.A. Hülsmann. Ein Mann von 30 Jahren
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Auf seinen Ausflügen fotografiert Friedrich Hülsmann gerne sogenannte Nasenschilder oder Ausleger: diese historische Form der Werbung für ein Unternehmen (z.B. Handwerksbetriebe oder Gasthäuser) wird rechtwinklig an der Hauswand angebracht. Die kunstvollen Ornamente, die oft einen symbolischen Hinweis auf die Betreiber des Geschäfts (etwa ihren Namen oder ihr Warenangebot) enthalten wurden meist aus Eisen geschmiedet und oft partiell farbig emailliert. Auf einer Reise nach Dinkelsbühl entdeckt Hülsmann das Schild des Brauereiausschanks von Karl Mühlbacher, das in einem Kranz einen aufsteigenden Greif zeigt. die Wirtshauszier inspirierte seinerzeit auch weitere Amateurfotograf:innen.

https://www.alamy.de/wirtshausschild-des-1935-eroffneten-gasthauses-von-k-in-der-muhlbacher-in-dinkelsbuhl-deutschland-1930er-jahre-zeichen-der-k-muehlbachers-inn-in-dinkelsbuhl-deutschland-1930-image447723020.html

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
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Unbekannte/r Fotograf/in (wahrscheinlich Gertrud Hülsmann), ein windiger Sommertag, ca. 1933. Das an einem Urlaubstag aufgenommene Porträt zeigt Friedrich Hülsmann in kniekurzen Hosen und mit von einer stärkeren Bö geblähtem Hemd. Das Haar ist zerzaust, die Augen sind – wohl wegen der blendenen Sonne – leicht zusammengekniffen. Umso intimer erscheint die Verbindung zwischen dem Fotografierten und der (mutmaßlichen) Fotografin, seiner Frau: die beiden sehen einander an, ein Blick, der durch das Objektiv der Kamera zum Bild wird. Und zum Dokument einer innigen Zuneigung, wie sie nicht nur in den ersten Ehejahren immer wieder sichtbar wurde. 

F.K.A. Hülsmann. Ein Mann von 30 Jahren
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Gertrud Hülsmann mit einer Bekannten im Dänemarkurlaub 1936. Mit derselben Begleiterin turnt sie auf anderen Fotografien an einer Leiter. Vom herrlichen Sommerlicht angestrahlt, blicken die beiden Frauen in die Ferne. Offenbar haben sie dort etwas Erfreuliches entdeckt.

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
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Wo stand Friedrich Hülsmann? Hätten Sie auf Anhieb erkannt, dass es sich bei diesem unübersichtlichen Dächermeer um Frankfurt am Main handelt? Zwar ist die sogenannte "Neue Altstadt" um den restaurierten "Römer" herum längst in aller Munde, doch dürften die Meisten ein Bild vor dem inneren Auge haben, das von den Bürotürmen "Mainhattans" geprägt ist. Ausserdem hatte sich schon vor fast 100 Jahren der damalige Siedlungsdezernent Ernst May für ein "Neues", d.h. modernes Frankfurt stark gemacht, das den ästhetischen Vorstellungen des Bauhaus und zeitgemäßen hygienischen Standards entsprechen sollte. Für die geplanten Siedlungsbauten wurde u.a. die berühmt gewordene "Frankfurter Küche" von Margarete Schütte-Lihotzky konzipiert. Doch parallel entstanden noch Buchpublikationen wie "Alt-Frankfurt im Bild" mit Aufnahmen von Paul Wolff, die das historische Ensemble mit Krämerbuden, Hinterhöfen und Patrizierhäusern bewahren wollten. Vor allem diesen Motiven spürte Friedrich Hülsmann mit seiner eigenen Rolleiflex nach. Er zeigte verwinkelte Gassen und pittoreske Plätze, wie sie schon die für ihren Geschäftssinn berühmten Kaufleute vergangener Zeiten bevölkert hatten. Für seine Aufnahme erklomm er den Turm des Doms St. Bartholomäus, in dem einige Jahrhunderte lang die deutschen Kaiser gekrönt worden waren. Von dort ließ er den Kamerablick über Saalhof und Nikolaikirche bis zum "Eisernen Steg" und der Untermainbrücke schweifen. Wo sich einst die Satteldächer reihten, stehen heute "Schirn-Kunsthalle" und "Junges Museum Frankfurt".

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
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Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
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Den Baumsolitär mit umlaufender Sitzbank fotografiert Friedrich Hülsmann im winterlich vereisten Hamburg. Die Bank wirkt wie ein zum Stillstand gekommenes Karussell. Das "Neue Sehen" hatte den Blick für alltägliche Gegenstände geschärft, die – oft in verfremdender oder überraschender Perspektive – bildwürdig wurden, während zur gleichen Zeit der surrealistische Maler René Magritte sein "Mysterium der Wirklichkeit" über rätselhafte Konstellationen von Dingen entwickelte. In der materialgetreuen Wiedergabe der Alltagswelt trefen schließlich "Neues Sehen" und "Neue Sachlichkeit" aufeinander

Das „neue Sehen“ – Experiment und Erkundung
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Vermutlich in Nördlingen fotografierte Friedrich Hülsmann um 1935 ein Storchennest. Die während der Brutzeit, also zwischen Anfang April und Anfang August, entstandene Aufnahme zeigt einen üppigen Horst auf dem Dach eines Wirtschaftsgebäudes hinter einem zur Straße gelegenen Giebelhaus. Der den Älteren noch als "Meister Adebar" (H. Chr. Andersen) oder "Kalif Storch" (Wilhelm Hauff) bekannte Zugvogel gilt im Volksmund auch als Überbringer von menschlichem Nachwuchs; zum Inbegriff der Elternschaft wurde er wohl, weil sich abwechselnd Männchen und Weibchen um ihre Jungen kümmern. Zu Hülsmanns kam der Klapperstorch allerdings nicht: das Ehepaar blieb kinderlos.

Ein deutscher Alltag in den 1930er Jahren
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Stelzenläufer, wahrscheinlich Mai 1933. Wohl als Werbegag, um potentielle Besucher:innen auf die gerade stattfindende Messe aufmerksam zu machen, balancieren einige Herren in Frack und Zylinder auf hohen Stelzenbeinen unter dem Berliner Funkturm her. Im Gegenlicht sind sie nur als groteske Silhouetten wahrzunehmen, und da die Sonne gerade hoch steht, werfen ihre überlangen Beine erstaunlich kurze Schatten. Wie der Minutenzeiger einer Uhr wirkt hingegen der diaganole Schatten, den einer der Masten wirft, an denen Straßenlaternen befestigt wurden.

Ein deutscher Alltag in den 1930er Jahren
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Schnäppchenjägerin: Beim Londonaufenthalt im August 1933 lassen Hülsmanns die Gelegenheit nicht ungenutzt, auf einem der legendären Flohmärkte nach Schätzen für ihre wachsende Sammlung Ausschau zu halten. Aufgrund der Bewegungsunschärfe an der Hand von Gertrud Hülsmann ist zu vermuten, dass sie gerade noch auf etwas gezeigt hat. Das Sortiment des Händlers besteht u.a. aus eher zweitklassigen Bestecken, Teekannen, Kerzenständern, Küchenzubehör und einem Bündel klobiger Halsketten. Wahrscheinlich hat er der Deutschen gerade etwas zugerufen, denn sein Mund ist noch geöffnet und auch er hat mit dem Arm soeben eine Bewegung gemacht. Gegen die Sonne – Frau Hülsmann hat sich bereits ihrer Jacke entledigt – schützt er sich mit einem Regenschirm. Ob wohl ein Kauf zustande kam?

Ein deutscher Alltag in den 1930er Jahren
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Bei einem Ausflug zur See, vielleicht im Sommer 1934, fotografierte Friedrich Hülsmann mehrfach seine Frau Gertrud: an der Reling sitzend oder, wie hier, am Heck des Schiffes, das eine Spur von Kielwasser nach sich zieht. Gegen die starke Wirkung der Sonne schirmt sie ihre – ohnehin geschlossenen – Augen mit der Hand ab. Die Pose der am Heck gelagerten Gertrud Hülsmann erinnert an eine in der amerikanischen Vogue vom 15.Juli 1928 veröffentlichten Modefotografie von Edward Steichen, die u.a. Lee Miller zeigt.

https://pleasurephotoroom.files.wordpress.com/2012/10/photographed-by-edward-steichen-vogue-19281.jpg

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
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