Fotografien von Friedrich Hülsmann
  • Galerie
  • Kategorien
  • Information
2469

Zwei Schwestern an Bord eines Schiffes. Hülsmann fotografiert die beiden etwa 5 und 8 Jahre alten, gleichgekleideten Mädchen aus leichter Untersicht, vielleicht ist er zum Fotografieren in die Knie gegangen. Das Sonnenlicht zeichnet lebhafte Schatten auf dem Gesicht der jüngeren, die sich mit staunend geöffnetem Mund nach links abwendet, während die Ältere mit eher bekümmertem Ausdruck direkt in die Kamera blickt. Wurde sie gerade am Ohr gepiekt, das sie mit zwei Fingern der linken Hand hält, oder bereitet ihr die Abreise Kummer? Das feine psychologisierende Porträt ist ein weiteres Beispiel für das große Einfühlungsvermögen von Friedrich Hülsmann als Kinderfotograf.

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
2469
0961
Leider unterstützt Ihr Browser nicht das audio-Element. Bitte installieren Sie einen gängigen aktuellen Browser, um die Audiodatei anhören zu können.

Die Aufnahme eines in der Landwirtschaft Tätigen heroisiert die neuen Formen des bäuerlichen Arbeitens: fast im Dampf seiner monumentalen Maschine verschwindend, bedient ein Mann mit Schiebermütze in lässiger Haltung ein Gefährt mit wuchtigen Raupenrädern. Im Gegenleicht erscheint die Silhouette des von hinten fotografierten Arbeiters wie ein Schattenriss: umso deutlicher treten technische Details wie Hebel und Lenkrad hervor. Andere Fotografien zeigen das gleiche, lokomotivenartige Fahrzeug in seiner Funktion als Pflugapparat.

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
0961
0191

ca. 1932, weihnachtliches Stilleben mit Apfel, Wal- und Paranuss sowie einem aufrecht stehenden stilisierten Christkind, das vermutlich aus Gips nach einem antiken Model gebacken wurde. Hülsmanns besaßen weitere Backmodeln in ihrer Sammlung, u.a. einen Reiter in Landsknechtstracht und ein Paar in der Mode des 17. Jahrhunderts zeigend; die Modeln täuschen jedoch eine Herkunft aus der Barockzeit nur vor und wurden wahrscheinlich im 19. Jahrhundert, vielleicht sogar industriell, hergestellt. 

Die fotografierten Objekte sind auf einer stark spiegelnden Fläche, vielleicht einer metallischen Folie, angeordnet; auch im Hintergrund der punktuell beleuchteten Aufnahme sind leicht reflektierende Oberflächen auszumachen.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
0191
0041

1933 reisten Gertrud und Friedrich Hülsmann mit dem Schiff nach Großbritannien. Auf der Überfahrt fotografierten sich die Eheleute gegenseitig, wie sie in dem wenige Jahre zuvor erschienenen Buch des gebürtigen Niederländers und Wahlbriten Gustaaf Johannes Renier lesen: „Sind die Engländer Menschen wie wir?“ (2. Aufl. Stuttgart Berlin Leipzig 1931). Neben allgemeinen, eher unernsten Betrachtungen zu Land und Leuten gibt der Autor Empfehlungen, wie man sich der einschüchternden Metropole London in ihrer „unermeßlichen Größe“ nähern könne. So möge der Besucher, in dieser Stadt ohne Zentrum „Trafalgar Square zum Ausgangspunkt seiner Entdeckungsfahrten machen“. Frau Hülsmann scheint jedenfalls eher skeptisch; sie hält die Hand beinahe mit einer Geste der Fassungslosigkeit an ihre rechte Wange: „meint der Autor das wirklich?“, scheint sie zu fragen.

Ein deutscher Alltag in den 1930er Jahren
0041
1944

Detail der Barockorgel von St. Katharinen. Friedrich Hülsmann fotografierte häufiger in dieser wegen ihrer Hafennähe sogenannten "Kirche der Seeleute", die zu Hamburgs Hauptkirchen gehört. Auf der historischen Orgel, die 1943 während der Luftangriffe weitgehend zerstört wurde, spielte u.a. Johann Sebastian Bach. Außer Aufnahmen des während eines Konzerts oder (vor)weihnachtlichen Gottesdienstes vollbesetzten Mittelschiffs existieren mehrere Detailansichten des reichverzierten Pfeifenaufbaus.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
1944
1461

Promenade mit Radfahrern an der Binnenalster. Wahrscheinlich aus einem Fenster des Firmensitzes der Hansa Mühle am damaligen Alsterdamm 3 (heute Ballinndamm) fotografiert Hülsmann über die Straße hinweg auf das Binnengewässer, das sich ozeanisch weit zum Horizont hin zu öffnen scheint. Am oberen rechten Bildrand ist noch eine Anlegestelle (kurz vor der Lombardsbrücke) zu erkennen. Im Vordergrund spielt sich Zeitgenössisches ab: Radfahrer eilen, fast in Kolonne, ihren Zielen entgegen, Passanten mit Hut – offenbar ausschließlich Männer – durchqueren zwischen winterlich unbelaubten Bäumen kahle Flächen. Die Aufnahme bezieht ihren optischen Reiz durch die Aufladung mit graphischen Elementen: Die Diagonale der Straße verläuft, für Hülsmann ganz untypisch, von links oben nach rechts unten, Geländer und Trottoirplatten ziehen feine Linien durch die Komposition, auf einer Litfaßsäule prangt Werbung, u.a. für das Tanzlokal "Flora"; an einem Kiosk mit Ofenrohr werden Zeitungen feilgeboten; die feinastigen Baumkronen wirken wie mit Pustetechnik ins Bild getuscht. Das kaltjahreszeitliche Licht lässt die Fotografie, ungeachtet der Bewegungsunschärfe der Radfahrer, wie eingefroren wirken.

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
1461
3462

Fotografische Studie mit einem Doldengewächs. Das Gegenlicht lässt die verzweigte Struktur der Pflanze wie einen Schattenriss hervortreten. (vgl. auch Negativ Nr. 301)

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
3462
0003

komplementäre Aufnahme zum Profilporträt an der Reling. Frau Hülsmann hat den Kopf nun leicht in die entgegengesetzte Richtung gewendet, der Wind hat ihr Haar zerzaust und auch die lose Kragenschleife ihrer Bluse ist zur Seite geweht.

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
0003
0646

Vier Kinder, drei Buben und ein Mädchen, wahrscheinlich aus dem Alten Land, sind beim Spielen völlig außer sich geraten: zwei Knaben in kurzen Hosen wälzen sich in ekstatischem Gelächter am Boden, das Mädchen mit verrutschter Schürze verbirgt sein Gesicht am Rücken des Jungen, dessen verdrehte Hände irgendwohin zu weisen scheinen; lediglich der dritte Junge kauert ernst in einer Mauerecke, als ginge ihn das Toben seiner Freunde nichts an, oder als habe ihn eine Vision jenseits des gemeinsamen Spiels erfasst. Die wahrscheinlich Ende der 1920er Jahre geborenen Kinder haben schwere Zeiten vor sich: Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst und vielleicht sogar ein viel zu früher Einsatz in den Verteidigungsschlachten der letzten Kriegstage. Ob der Junge in Sandalen von all dem schon etwas ahnt, während sich seine Kameraden grenzenloser Heiterkeit hingeben?

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
0646
0567

Karyatiden und Atlanten stützen das Gesims von Schloß Sanssoucis, von dessen vergoldeter Inschrift hier ein Teil zu sehen ist. Im späten Mittagslicht treten Reben und andere Attribute der Feierfreude vollplastisch an den Pilastern hervor, in denen die Oberkörper der Figuren münden. Hülsmann schuf eine ganze Serie dieser Gebälkträger:innen, indem er einmal die gewölbte Fassade des Schlosses abschritt.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
0567
1123

Einer der beiden Osttürme des Naumburger Doms, von Südwesten aus aufgenommen. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ersetzt ein hochgotisches Chorjoch mit zwei Türmen einen spätromanischen Vorgängerbau. Im 18. Jahrhundert erhielten die Türme barocke Helme. Hülsmann wählt einen Standpunkt vom inneren Domhof aus, der diesen Teil des Doms als verschachteltes, multiperspektivisches Bauwerk erscheinen lässt.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
1123
2627

Räumboote der Reichsmarine, ca. 1933. Adrett aufgereiht sehen sie auf den ersten Blick eher harmlos aus: schlanke Schiffe, die in der Sonne ankern, bemannt mit weißgekleideten Matrosen in sommerlich kurzen Hosen. Bei näherem Hinsehen erkennt man die Beflaggung der Reichsmarine und auf den Seiten der Führerkabinen das Adleremblem mit Hakenkreuz. War die kaiserliche Marine noch das "Lieblingsspielzeug" Wilhelms II. gewesen, hatte sie nach dem unrühmlichen Ende des Ersten Weltkriegs dramatisch an Ansehen eingebüßt. Durch die Auflagen des Versailler Vertrags stark eingeschränkt, erfolgte die Wiederaufrüstung zunächst heimlich, schließlich aber ganz unverhohlen: 1935 wurde die "Reichsmarine" in "Kriegsmarine" umbenannt. Räumboote werden zum Minensuchen an Küsten und in Häfen eingesetzt; der abgebildete Typ der Serie R 1-R 16 war zwischen 1932 und 1934 Einsatz (Freundlicher Hinweis an Thorsten Reich, Historisches Marinearchiv).

Friedrich Hülsmann, der in einer Hafenstadt lebte, interessierte sich für alle möglichen Arten von Schiffen und fotografierte sie häufig – in unterschiedlichen Stilen. Die Aufnahme der Räumboote folgt den Prinzipien der „Neuen Sachlichkeit“, deren Ziel u.a. die „ästhetische Beherrschung einer durch Industrie und Technik veränderten Lebenswirklichkeit“ war. (Herbert Molderings, Überlegungen zur Fotografie der Neuen Sachlichkeit und des Bauhauses)

Ein deutscher Alltag in den 1930er Jahren
2627
0277

Drei bisher nicht identifizierte Erwachsene am Kamin der Wohnung Possmoorweg: sie haben es sich bäuchlings vor der aus Ziegeln gemauerten Feuerstelle „bequem“ gemacht und blicken versonnen in die Flammen, als beschäftigten sie sich – jeder für sich – mit der etwas bangen Frage, was die Zukunft im nationalsozialistischen Deutschland wohl bringen mag: in Anbetracht der Zeitläufte erscheint die winterliche Aufnahme schicksalhaft aufgeladen. Die Trinkschalen aus einfachem chinesischen Porzellan sind bereits geleert, billige Alltagsvarianten der kostbaren Koppchen, die Hülsmanns in ihrer Sammlung verwahrten.

Porträts – Menschen, Tiere, Pflanzen
0277
2069
Leider unterstützt Ihr Browser nicht das audio-Element. Bitte installieren Sie einen gängigen aktuellen Browser, um die Audiodatei anhören zu können.

Im Jahr der Machtübertragung an die Nationalsozialistische Partei erschien in der Deutschen Buch-Gemeinschaft das "Bilderwerk" von Hans Ludwig Oeser "Deutsches Land und deutsches Volk". Die aus unterschiedlichen Einsendungen von Amateur- und Profifotograf:innen herausgegebene Fotosammlung kommentierte Oeser im erhaben bramarbarsierenden Ton einer Ideologie, die technischen Fortschritt ins Gewand des Althergebrachten zu kleiden liebte und das historisch Gewachsene mit "neuen Mitteln" einer "neuen Zeit" betrachten wollte: "Von einem starken Bauerntum ist dieses Land urbar und bewohnbar gemacht, ist das Reich zwischen den Alpen und dem Meere, zwischen dem Rhein und der Elbe gegründet worden. Wer das Wachstum des deutschen Volkes von seiner Vorgeschichte an bis in die Jetztzeit, wer das Erbgesicht der deutschen Stämme und der vielen Völkerschaften anschauen will, die eingegangen sind in den gewaltigen mehrstämmigen Baum unseres Volkes, der schaue den Bauern ins Antlitz. Die Lebensgeschichte des deutschen Menschen wird darin verzeichnet sein, und eine Schönheit voll unmittelbarer Kraft, voller Tiefe, voll beredten Schweigens wird sich enthüllen" (H.L. Oeser, S. 48).

Nunja, das Porträt eines Hirten oder Tagelöhners aus dem Alten Land mit wettergegerbtem Gesicht, mit Walroßbart und in derben Stiefeln ist immerhin beeindruckend: sein Körper beherrscht die ganze Mittelachse der Aufnahme, während die "jährlich in reicher Ernte" aus dem Boden aufsteigende "Brotfrucht" bis zum Horizont reicht.

Friedrich Hülsmann als Beobachter – Bilder von Arbeit und Freizeit
2069
1444

Den Baumsolitär mit umlaufender Sitzbank fotografiert Friedrich Hülsmann im winterlich vereisten Hamburg. Die Bank wirkt wie ein zum Stillstand gekommenes Karussell. Das "Neue Sehen" hatte den Blick für alltägliche Gegenstände geschärft, die – oft in verfremdender oder überraschender Perspektive – bildwürdig wurden, während zur gleichen Zeit der surrealistische Maler René Magritte sein "Mysterium der Wirklichkeit" über rätselhafte Konstellationen von Dingen entwickelte. In der materialgetreuen Wiedergabe der Alltagswelt trefen schließlich "Neues Sehen" und "Neue Sachlichkeit" aufeinander

Das „neue Sehen“ – Experiment und Erkundung
1444
0534

Sog. "Goldene Galerie" im "Neuen Flügel" des Schlosses Charlottenburg, nach dem Regierungsantritt Friedrichs II. (1740) als Ergänzung des alten Barockbaus errichtet. Hülsmann fotografiert in diesem von Knobelsdorff entworfenen Bau mit aufwändigen Goldstukkaturen: Rocaillen und chinoise Ornamente wuchern zwischen den Fenstern zur Decke empor, von der prächtige Kristalleuchter herabhängen. Hülsmann findet noch die historische Aufstellung von Büsten antiker Philosophen und Staatsmännern vor.

Kunst- und Kulturgeschichte: Ein Sammler sucht – und findet: sich
0534
Neue zufällige Auswahl